Bezahlt von der Krankenkasse: «Homo‐Heilung»

Rund zehn Tage nach der Einreichung einer Motion zum Verbot von sogenannten Konversionstherapien deckt der «Gesundheitstipp» auf, wie einfach zugänglich solche «Behandlungen» sind.

Homosexualität aus – Heterosexualität ein?

Rund zehn Tage nach der Einreichung einer Motion zum Verbot von sogenannten Konversionstherapien deckt der «Gesundheitstipp» auf, wie einfach zugänglich solche «Behandlungen» sind.

Die Redaktion des Magazins schleuste eine Testperson beim anerkannten Psychiater Lukas Kiener ein, der diese Konversionstherapien anbietet und sogar über die Krankenkasse abrechnet. Nicht nur Pink Cross ist entsetzt: Politische Massnahmen, die solche «Homo‐Heilungen» stoppen, sind dringend umzusetzen.

Therapien mit dem Ziel, die sexuelle Orientierung von homosexuellen Menschen zu verändern, sind in Fachkreisen und der Öffentlichkeit längst verpönt. Solche «Behandlungen» verursachen langfristige Trauma und schwerwiegende psychische Schäden.

In der Schweiz werden «Homo‐Heilungen» weiterhin angewendet

Der Bericht im «Gesundheitstipp» zeigt einmal mehr, dass diese «Therapien» sehr leicht zugänglich sind, von anerkannten Psychiatern durchgeführt werden und auch ohne Probleme über die Krankenkasse abgerechnet werden können. Roman Heggli, Geschäftsleiter von Pink Cross, ist entsetzt: «Wir alle zahlen mit unseren Krankenkassenprämien für Behandlungen’, die nicht nur unnütz sind, sondern grossen Schaden bei den Betroffenen anrichten». Das dürfe doch nicht legal sein! Speziell bei jungen Personen sind diese Praktiken besonders gefährlich: «Sie werden häufig von ihrer Familie oder ihrem Umfeld zu solchen ‹Therapien› gezwungen, merken aber, dass sie sich trotz vieler Sitzungen noch immer zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen und meinen deshalb, sie würden ‹versagen›». Das richtet psychische Schäden an und kann junge Menschen bis in den Suizid treiben.

Die Motion für ein Verbot von Konversionstherapien

Am 21. Juni wurde von Nationalrätin Rosmarie Quadranti und Angelo Barrile eine Motion im Nationalrat eingereicht, die den Bundesrat beauftragt, Konversionstherapien zur Veränderung der sexuellen Orientierung von Kindern und Jugendlichen zu verbieten. Damit soll der dringend notwendige Schutz vor willkürlichen und schädlichen «therapeutischen Massnahmen» gewährleistet werden. Roman Heggli ist überzeugt, dass dringender Handlungsbedarf besteht und fügt hinzu: «Die Politik und die Ärztevereinigungen dürfen nicht weiterhin die Augen vor der Realität verschliessen». Der Bundesrat ist gefordert, diese schlimmen «Therapien» endlich zu stoppen.

Unterschreibe hier die Petition «Keine Homo‐Heilungen mit meinen Krankenkassen‐Prämien!» von Pink Cross

Ich bin in Ordnung, wie ich lebe und bin!

Ich habe den vollständigen Bericht im «Gesundheitstipp» gelesen. Das wiedergegebene Gesprächsprotokoll ist erschreckend. Zur Therapiesitzung beim Psychiater Lukas Kiener musste der junge Schwule Fotos von Männern – auch pornografische Bilder – mitbringen, die ihm gefallen: «Wir schauen zusammen an, was Ihnen an dem Mann gefällt. Denn das fehlt Ihnen selbst.» Man müsse «ganz Mann sein, sich ganz im eigenen Geschlecht wohlfühlen, dann wird das andere Geschlecht interessant». Eine solche «Therapie» daure mindestens zwei Jahre, dabei würden Rollenvorbilder analysiert und die sogenannte «EMDR‐Methode» anwendet. Mit dieser Methode behandeln Therapeuten in der Regel traumatisierte Menschen – beispielsweise Soldaten, die im Krieg waren – aber sicher keine Menschen, um sie in eine bestimmte sexuelle Richtung zu zwingen.

Natürlich komme es vor, dass «Homosexuelle Mühe mit ihrer Neigung haben», wird vom «Gesundheitstipp» der Psychotherapeut Udo Rauchfleisch zitiert: «Dann geht es darum, wie die Person ihre Homosexualität in ihr Leben integrieren – und nicht darum, wie sie heterosexuell werden kann». Dabei stehe im Vordergrund: «Ich bin in Ordnung, wie ich lebe und bin!».