Die letzte gayAgenda?

Die erste Aus­gabe der Bern­er gayA­gen­da ist im Mai 1999 erschienen. Ist nun – nach 195 Aus­gaben – Schluss damit? Geht die Ära des Aus­gehmagazins der Bern­er LGBT-Com­mu­ni­ty wirk­lich zu Ende?

Mit Inser­at­en alleine kon­nte die Bern­er gayA­gen­da nicht kos­ten­deck­end her­aus­gegeben wer­den Deshalb haben die Homo­sex­uellen Arbeits­grup­pen Bern HAB einen wesentlichen Teil dazu aus der Vere­in­skasse beige­tra­gen. Da die Gesund­heits- und Für­sorgedi­rek­tion des Kan­tons Bern die jährlichen finanziellen Zuwen­dun­gen nun aber gestrichen hat, mussten die HAB den Rot­s­tift anset­zen. An der Mit­gliederver­samm­lung anfangs Novem­ber wurde entsch­ieden, dass die finanziellen Mit­tel des Vere­ins für die psy­chol­o­gis­che Beratung einge­set­zt wer­den soll und die gayA­gen­da eingestellt wird. Gle­ichzeit­ig aber wur­den die Namen­srechte aber an den langjähri­gen Redak­tion­sleit­er Lud­wig Zeller übertragen.

gayAgenda: 1999 bis 2017

Das Konzept für die Bern­er gayA­gen­da schrieb Urs Küen­zi zum Abschluss seines Medi­en­studi­ums. Die Idee dazu hat­te er zusam­men mit Lud­wig Zeller. Die erste Aus­gabe erschien im Mai 1999. Drahtzieher aber blieb in all den Jahren Lud­wig Zeller. Er leit­ete die Redak­tion, war für das Lay­out und den Verkauf der Inser­ate ver­ant­wortlich und schrieb auch die meis­ten Artikel.

Was heute in Form von Gratis-Zeitun­gen «gang und gäbe» ist, bot die gayA­gen­da von Beginn an: Kurze, in Rubriken gegliederte Texte für einen schnellen Überblick über das, was in Bern läuft.

Auch die Kolum­nen – geschrieben etwa von der Schrift­stel­lerin Daniela Schenk oder dem Schaus­piel­er Christoph Mat­ti — waren für die Selb­stre­flex­ion von Schwulen, Les­ben und Trans* wichtig. Zum Schmun­zeln brachte die Leser*innen regelmäs­sig Yodok mit seinen Car­toons. Und über aktuelle Musik informierte uns DJ Corey mit seinen CD-Tipps.
Höhep­unk­te waren sicher­lich Inter­views mit Promis. Die Fra­gen des Redak­tion­steams beant­wortete u.a. der Bern­er Regierungsrat Bern­hard Pul­ver, die Bern­er Regis­seurin Veroni­ka Min­der, der schwedis­che Musikpro­duzen­ten Alexan­der Bard, Sänger Michael von der Hei­de und Schaus­piel­er Dirk Bach.

Im Mit­telpunkt der gayA­gen­da standen immer Bern und die Berner*innen. So wur­den in der Rubrik «Mein Bern» span­nende und inter­es­sante Leute aus der Bern­er Com­mu­ni­ty vorgestellt. Aber auch die Poli­tik war immer wieder The­ma; vor Wahlen kon­nten sich beispiel­sweise LGBT-Kan­di­dierende vorstellen. Und zur Pride in Bern ist im Jahr 2000 sog­ar eine Son­der­num­mer erschienen.

Wie es sich für ein Aus­gehmagazin gehört, dreht­en sich beson­ders viele Artikel um die Kul­tur. Für viele schwule und les­bis­che Kul­turschaf­fende war die gayA­gen­da ein wichtiges Medi­um, um ihre neusten Theater‑, Film‑, Musik- oder Tanzpro­duk­tio­nen vorzustellen. Dazu gehörten u.a. das queere Pink Mama The­ater oder die schwulen The­ater­regis­seure Alex Truf­fer und Alec Broennimann.

Aber auch die Party-Macher*innen beka­men mit der gayA­gen­da eine Plat­tform. Wer erin­nert sich heute noch an «True Col­ors», «Welle» oder «Felix»?

Wie weiter?

Gle­ich vor­weg: Wie Lud­wig Zeller auf Anfrage bestätigt, bleibt das Inter­net­por­tal gaybern.ch beste­hen! Die Finanzierung der gedruck­ten gayA­gen­da muss allerd­ings wohl über­legt wer­den. «Je länger ich darüber nach­denke, desto mehr Möglichkeit­en kom­men mir in den Sinn», sagt Lud­wig Zeller. Allerd­ings werde es jet­zt erst­mal eine Pause geben. Diese Zeit will er für die Erar­beitung eines neuen Konzepts und für Gespräche mit ver­schieden Leuten aus der LGBT+ Com­mu­ni­ty nutzen. Im Vorder­grund ste­he da die Frage, was sich die Szene über­haupt wün­sche – und diese Wün­sche dann auch finanziere.