Filmtipp: «Man wird nicht als Frau geboren, man wird es!»

Der Film «Madame» nimmt uns mit auf eine intime Reise, auf der die extravagante 90-jährige Grossmutter Caroline und ihr Enkel – der Filmemacher Stéphane Riethauser – die Geschlechtsidentität in einem patriarchalischen Umfeld erforschen.

Der Film «Madame» nimmt uns mit auf eine intime Reise, auf der die extravagante 90-jährige Grossmutter Caroline und ihr Enkel – der Filmemacher Stéphane Riethauser – die Geschlechtsidentität in einem patriarchalischen Umfeld erforschen.

Caroline, in den 20er Jahren in ein häusliches Leben gedrängt, kann sich aus den Fängen der Zwangsheirat befreien. Sie wird eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die sich den sozialen Regeln ihrer Zeit widersetzt. Parallel dazu kämpft Stéphane damit, die Rolle zu spielen, die seine bürgerliche Familie erwartet, bis er ausbricht und einen Kreuzzug gegen Homophobie und Sexismus antritt.

Der Film «Madame» besteht aus einem Mix aus privaten Filmaufnahmen und dem Dialog zwischen der extravaganten Matriarchin und ihrem schwulen Enkel. Die Familiensaga stellt die Zwänge von Geschlecht und Sexualität in Frage.

Welches Pflichtverhalten, welche Codes bestimmen unser Auftreten und unsere Manieren?

Vom «starken Macho» zur «schwachen Schwuchtel»

Er habe lange gebraucht, um das Zitat «Man wird nicht als Frau geboren, man wird es» von Simone de Beauvoir zu verstehen und den Kampf zu begreifen, den seine Grossmutter führen musste, um zu existieren, schreibt Filmemacher Stéphane Riethauser zu seinem Film «Madame». Es habe auch lange gedauert, bis ihm klar wurde, dass dies auch für die männliche Spezies gelte: Ich wurde nicht als Mann geboren, ich wurde einer. «Gemäss den Vorschriften, die durch unsere jüdisch-christlichen Gepflogenheiten vorgegeben werden, wurde ich wie die grosse Mehrheit der Jungs heterosexuell formatiert», schreibt Stéphane Riethauser weiter. Er habe eine homophobe Rhetorik und das Machoverhalten verinnerlicht – um ein Vertreter der «Starken» sein zu können. «Bis ich merkte, dass ich homosexuell bin und endlich damit leben konnte.» Damit konnte er auch seine aufgezwungene Männlichkeit ablegen und wechselte im gesellschaftlichen Wertesystem vom «starken Macho» zur «schwachen Schwuchtel».

Über die biologischen Unterschiede hinausgehend fragte sich Stéphane, welche kulturellen Komponenten, welche sozialen Verpflichtungen unserem Geschlecht zugeordnet sind. Welches Pflichtverhalten, welche Codes bestimmen unser Auftreten und unsere Manieren? Welche Idee steckt hinter der Geschlechtertrennung? Wie beeinflusst diese Trennung unsere Beziehung zum anderen Geschlecht? Und welche Konsequenzen gibt es, wenn wir uns nicht an die Regeln halten?

Der Film «Madame» ist ein autobiografisches Porträt über eine exzentrische Frau und ihren schwulen Enkel. Er ist aber auch eine Studie über das Patriarchat und das Konstrukt von Geschlechtsidentitäten. Er startet am 31. Oktober in den Kinos der deutschsprachigen Schweiz.

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